Sylter WhiskiesAuf Sylt, die größte der nordfriesischen Inseln, reifen drei Whiskies. Watt, Wasser und Wellen sorgen dafür, dass sie das Aroma der Insel aufnehmen, denn ein guter Whisky schmeckt nach der Region, in der er gereift ist. Eine Hand voll Männer hat sich auf der Nordseeinsel aufgemacht, deutschem Whisky das besondere „Insel-Feeling“ zu geben.

Whisky aus dem Watt
 
Wenn man Whisky dem Meer übergibt und ihn dem ewigen Spiel von Ebbe und Flut überlässt – was passiert wohl mit dem Whisky, fragten sich der Sylter Christoffer Bohlig, der Whisky- und Spirituosenhändler René Bobrink sowie Robert und Thomas Fleischmann von der Traditions-Destillerie „Blaue Maus“ aus Bayern. Die Männer vergruben Fässer mit vier Jahre altem Whisky im Watt und überließen diese ein halbes Jahr dem Regime der Natur und den Gezeiten. „Das war ein echtes Experiment“, so Bohlig, „was herauskommen würde, wussten wir auch nicht.“ Der Versuch war es aber wert – der „Sylter Tide Whisky“ kommt beim Fach-Publikum gut an. Professionelle Verkoster attestieren dem Watt-Whisky die erwarteten salzigen Noten sowie einen maritimen Charakter.

Echtes Meerwasser-Aroma

Als noch konsequenter hat sich die Methode aus Rantum erwiesen: „Zugegeben, das war eine Schnapsidee“, sagt John-Meinert Petersen von der „Sylter Trading“. Gemeinsam mit Freunden hat er Meerwasser mit Whisky gemischt und ihn so reifen lassen. Mit einer kleinen Brennerei aus Westfalen entwickelten sie ein Destillat, mit dem das Experiment starten konnte. Monatelang wurde an dem richtigen Mischungsverhältnis getüftelt, denn salzig oder gar versalzen sollte der Whisky nicht schmecken. Schließlich wurden vierzig Fässer bestellt, mit dem richtigen Mischungsverhältnis gefüllt und im Backsteingebäude des Sylter Trading Kontors direkt am Deich eingelagert. Circa ein Glas Nordseewasser wurde auf jedes Fass gegeben, dann muss der Whisky für drei Jahre ruhen. „Die Farbe ist bereits nach einem Jahr honiggelb und der Geschmack gibt eine betörende Mischung von Kirschen, Pflaumen und leichtem Eichenholznoten wieder – und eine Minute später spürst Du Salz auf der Zunge“, beschreibt Petersen den Whisky.

Auf dem Meer gereift

Alexander Sievers, Wein- und Spirituosenhändler aus Tinnum, begann bereits vor drei Jahren einen Sylter Whisky zu produzieren: „Crannog“ heißt er und ist sogar mit echter Insel-Gerste hergestellt. „Dann sprachen mich im Frühjahr 2015 Anton Stetter und Hans Kemenater von der bayerischen Brennerei Slyrs an, ob wir nicht zusammen einen Sylter Whisky machen möchten“, erklärt Sievers. So kam die Idee zustande, den Whisky gleich auf dem Meer zu lagern. Die salzige Luft und das permanente Schaukeln auf See versprechen ein tolles Aroma und eine schnelle, intensivere Reifung, als in einem Fass, das still am Meer steht. In Büsum bauten sie den Kutter „Angels Share“ um, der nach dem Alkohol benannt ist, der während der Reifung verdunstet. Die „Angels Share“ liegt zurzeit mit ihrer Fracht im Hafen von List. Erstmals probiert werden kann der Whisky frühestens ab Februar 2016.