Max MutzkeMax Mutzke wurde von Talentsucher Stefan Raab für den Eurovision Song Contest 2004 entdeckt und ist heute als Sänger, Songwriter und Musiker eine feste Größe in der deutschen Musiklandschaft.

Die RUHRZEIT sprach mit dem vielseitigen Künstler über sein neues Album „MAX“, seine musikalischen Einflüsse und seine Tätigkeit als Botschafter des Deutschen Kinderverein Essen e.V.

Herr Mutzke, Sie haben erst vor wenigen Wochen Ihr sechstes Album „MAX“ veröffentlicht. Wie verlief die Produktion? Ist es eine besonders private Platte geworden, da sie Ihren Vornamen trägt?
 
Ich habe an diesem Album lange gearbeitet, da sich meine Vorstellungen laufend änderten. Ob modernes Big Band- oder Klassikalbum – mir war einfach nicht klar, wo der Schwerpunkt liegen und wie die Songs klingen sollen.

Mein Problem war folgendes: Parallel zu der Arbeit an „MAX“ hatte ich ein sehr erfolgreiches Jazzalbum veröffentlicht. Daraufhin habe ich so unglaublich viel live gespielt, in so unterschiedlichsten Besetzungen – von Jazz-Trios über Big Band-Shows und Konzerten mit klassischen Ensembles bis hin zu R&B-Soul-Konzerten – , dass ich nicht mehr wusste, wo meine musikalische Identität liegt. Diese Orientierungslosigkeit machte die Arbeit am Album emotional und dadurch sehr persönlich. Viele der Texte sind autobiographisch und verraten Dinge, die ich in Interviews so nie erzählen würde. Daher ist „MAX“ durchaus ein sehr persönliches und authentisches Album.




Wie entstehen Ihre Songs?
 
Die Grundidee meiner Songs hat immer eine sehr ähnliche Entstehung: Ich singe vor mich hin und plötzlich rutscht mir eine Textzeile mit einer entsprechenden Melodie raus, die mir selbst, in all dem Wust, den ich von mir gebe, auffällt. Diese Idee nehme ich sofort auf meinem Smartphone auf, sodass ich immer eine kleine Bibliothek an Songideen bei mir trage, die ich dann zu gegebener Zeit ausarbeite.

Das Erstaunliche dabei ist, dass in dieser einen Melodiephrase für mich meist so viel Information steckt, dass ich genau weiß, in welcher Sprache ich welche Geschichte erzählen will. Ab dann ist es Fleißarbeit, verbunden mit viel Geduld und einer zweiten Person, mit der ich den Song in seiner Entstehung besprechen und reflektieren kann. Das geht manchmal reibungslos, zügig und inspiriert zu, ein anderes Mal wiederum zäh, langwierig und schwierig. Ihre Musik ist eine Mischung aus Pop-Rock, Soul, Funk und Jazz.

Gibt es noch eine weitere Musikrichtung, in der Sie sich ausprobieren wollen? Welches Musikgenre hören Sie privat?
 
Privat höre ich all das, was man allgemein unter Black Music einordnen würde: Soul, R&B, Funk, Fusion, Jazz und Blues. Aber ja, es gibt noch einiges, was ich mit meiner Art zu singen verbinden möchte. Ich kann mir vorstellen, irgendwann ein... Ich verrate es nicht! Sonst kommt mir noch jemand zuvor.

Aber tatsächlich, ich werde häufig gefragt, ob und warum ich mich nicht auf einen Musikstil und eine Sprache festlegen kann. Meine musikalischen Einflüsse sind sehr bunt und durchmischt. Aber ich habe schon längst entschieden, mich nicht entscheiden zu müssen.



Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder und Inspirationsquellen?
 
Musikalische Vorbilder hatte ich nie. Es gibt nur eine lange Liste verschiedener Künstler, die mich inspiriert haben: Sänger wie Donny Hathaway, Marvin Gaye und Bill Withers, Instrumentalisten wie Miles Davis, Bill Evens und Steve Gadd, aber auch Bands wie Crusaders, Neville Brothers und Yellow Jackets haben mich schnell wissen lassen, dass Musik mein Leben genauso inspirieren wie füllen wird.



Wie erreicht man Menschen mit Musik?
 
Musik erreicht jeden auf eine andere Art. Der eine achtet auf den Inhalt der Texte, der andere auf den Beat. Manche wiederum legen viel Wert auf die Stimme und andere finden den Song einfach nur gut, weil er gerade im Radio läuft. Das Wichtigste und Schönste aber ist, dass Musik verschiedene Emotionen bei fast jedem Menschen auslöst, egal, aus welcher Zeit oder Kultur er kommt. Musik ist eine Sprache, die keine Grenzen kennt und die jeder versteht.



Sie sind entgegen vieler anderer Musiker nach Ihrer Entdeckung nicht wieder in der Versenkung verschwunden, sondern feiern auch elf Jahre danach Erfolge. Wie erklären Sie sich das?
 
Meine Leute und ich haben schon von Anfang an sehr viel Wert auf eine langanhaltende Karriere gelegt. Das heißt, ich trete nur in die Öffentlichkeit, wenn es um Musik geht und halte mein privates Leben aus den Medien. Aber ich kann sagen, dass es für mich nach elf Jahren nicht selbstverständlich ist, meine Familie und mich nur von der Musik ernähren zu können.



Für das Album „Durch Einander“ erhielten Sie 2013 einen Jazz-Award in Platin. Können Sie beschreiben, wie der seit vielen Jahren erfahrene Erfolg Ihr Leben verändert bzw. beeinflusst hat?
 
Der Start meiner Karriere war sehr rasant und gewaltig und ich habe selbst nicht an einen langanhaltenden Erfolg geglaubt. Nun gehört dieser, mal mehr und mal weniger, seit über einem Jahrzehnt zu meinem Alltag, ohne dass sich Routine einstellen mag. Ich kann mir mittlerweile kaum mehr ein anderes Leben vorstellen, auch wenn ich zuhause sehr viele Dinge mit viel Leidenschaft verfolge, die nichts mit Musik zu tun haben. Ich gehe sehr gerne in den Wald, um für den Winter Holz zu schlagen und bin auch sonst sehr handwerklich orientiert. Zurzeit restauriere ich einen LKW, den ich mir mit meinem Bruder zu einem Expeditionsmobil umbaue. Mit diesem möchte ich später eine Weltreise machen und alle Klimazonen der Welt bereisen können. Diesen Wunsch verfolge ich schon seit meinem elften Lebensjahr.



Ihre Leidenschaft für Musik war schon in jungen Jahren vorhanden, heute sind Sie ein erfolgreicher Sänger und Songwriter. Raten Sie jungen Menschen, Ihren Traum zu verfolgen und sich auszuprobieren?
 
Klar. Sich auszuprobieren, sein Leben in alle Richtungen zu durchdenken, seine eigenen Qualitäten herauszufinden und für vieles offen und begeisterungsfähig zu sein, ist für jeden wichtig. Leider scheint das soziale Umfeld den Menschen oft einen klaren Weg für das eigene Leben vorzugeben, aber der ist wahrscheinlich nur selten der richtige.



Als Künstler reisen Sie viel – welcher war der überraschendste Ort, den Sie bereist haben?
 
Da gibt es so viele Orte, die mal unglaublich beeindruckend, mal romantisch und mal aufregend sind. Ich habe letztes Jahr in Rio De Janeiro gespielt – eine Stadt, die so anders pulsiert als Städte in Europa. Vor wenigen Wochen habe ich in einer JVA für Frauen ein Konzert gegeben. Auch das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde. Außerdem durfte ich am 75. Geburtstag von Klaus Doldinger singen. Am Schlagzeug saß Udo Lindenberg, der frühere Drummer von Doldinger – das war ein unglaublich tolles Erlebnis!



Sie sind Botschafter des Deutschen Kindervereins Essen e.V.: Warum haben Sie sich für ein Projekt mit Kindern entschieden? Wofür setzt sich der Verein ein und was liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
 
Ich bin selbst Papa von vielen kleinen süßen und bunten Kindern. Die sind für mich, so wie es das für alle Väter und Mütter sein sollte, das aller, aller Wichtigste. Sie glücklich zu wissen, ihnen all die Zeit, die wir mit einander haben, Liebe zu schenken und ihnen klar zu machen, dass sie einzigartig, unersetzbar und großartig sind, ist für mich wesentlich. Dass sie ihr ganzes Leben vor sich haben und sich frei entscheiden können, was sie damit anfangen wollen, ihnen bei ihren Träumen zu helfen, dass zumindest ein Teil davon in Erfüllung geht – all das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die ich mit absoluter Leidenschaft erfüllen mag. Einen Kontrast dazu stellt das Buch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ dar, das ich kürzlich gelesen habe. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass es mein Selbstverständnis von Familie häufig so nicht gibt. Im Gegenteil, viel zu viele Kinder werden misshandelt und körperlich wie seelisch zerstört. Jeden zweiten Tag stirbt ein Kind an den Folgen seiner Misshandlungen. Pro Jahr werden 200.000 Kinder misshandelt und in vielen Fällen wird ihnen weder geholfen noch der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Das muss aufhören und jeder hat seinen Teil dazu beizutragen. Niemand darf wegsehen, jeder muss Verantwortung übernehmen, auch und gerade bei Kindern aus der Nachbarschaft. Mir ist dieses Projekt unglaublich wichtig.


Kontaktdaten:


Deutscher Kinderverein Essen e.V.

Sommerburgstraße 22

45149 Essen

Tel: 0201 47 90 05 20

Mobil: 0172 54 22 869

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