Bochums Herr der TeppicheOrientteppiche gelten gerade bei jungen Leuten als altmodisch und spießig. Designer Jan Kath beweist in seinem Bochumer Atelier in einem ehemaligen Fabrikgebäude, dass es auch anders sein kann und haucht mit seinen ungewöhnlichen Kreationen dem angestaubten Image neues Leben ein.

Jan Kath ist Teppichhändler in dritter Generation und damit mit Vorlegern und Persern aufgewachsen. In seiner Kindheit war das väterliche Geschäft sein Spielplatz, wo er über die riesigen Teppichstapel springen konnte. Nun könnte man annehmen, dass ihm sein Geschäftssinn in die Wiege gelegt wurde. Aber es dauerte Jahre, bis Kath seine Leidenschaft für Orienteppiche entdeckte. Auf einer Weltreise traf er in Kathmandu in Nepal einen Geschäftsfreund seiner Eltern, der ihm einen Job anbot. So wurde der damals 21-jährige Qualitätskontrolleur und Entwickler für Tibetteppiche. Als Kath 1996 das Angebot aus der nepalesischen Hauptstadt bekam, eine Teppichknüpferei zu übernehmen, war dies die Geburtsstunde von Jan Kath Design.

Dabei war es ihm von Anfang an wichtig, nicht an altbewährten Modellen festzuhalten, sondern etwas ganz Neues zu wagen. Mit seinen ersten Entwürfen erfand der Bochumer das Design von Orientteppichen international neu. Inzwischen pendelt er mehrmals im Jahr zwischen der Ruhrmetropole und seinen Produktionsstandorten, was Inspirationen genug liefert. Eindrücke von anderen Ländern künstlerisch umzusetzen, war für ihn erfolgversprechend. Darüber hinaus hat er seine Heimat dennoch nicht vergessen, denn es ist auch die kontrastreiche Industrielandschaft des Ruhrgebiets, die ihm Ideen für neue Kollektionen liefert. Gerade die Gegensätze von Alt und Neu, von Hell und Dunkel machen seine Ideen aus. Kath verbindet klassische Elemente mit zeitgenössischen, minimalistischen Designs, um einmalige Effekte zu erzielen. So können Teppiche, die kunstfertig von Hand geschaffen wurden, auf den ersten Blick antik und abgenutzt wirken, was den Charme der Kreation ausmacht. Außerdem ist die Interpretation fotorealistischer Motive der Textilkunst ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit. Oftmals spielt nicht nur die Farbvielfalt, sondern insbesondere die Haptik eine große Rolle. Ein Teppich soll demnach nicht nur interessant aussehen, sondern soll auch ein „Tasterlebnis“ sein.

Kaths Mut, etwas vollkommen Neues zu kreieren, wurde inzwischen mehrfach gewürdigt und ausgezeichnet. Er ist sowohl Gewinner des Red Dot Awards als auch des Carpet Design Awards, der die bedeutendste internationale Auszeichnung für handgefertigte Teppiche ist und als Trend-Wegweiser der Branche gilt. Dass Kaths Stücke nicht nur den Wohnraum verschönern, sondern auch als Kunstwerke verstanden werden, beweisen verschiedene Museen. Beispielsweise sind Kaths Werke Bestandteil der Ausstellungen im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main und im Kunstmuseum Riga Bourse zu sehen.

Inzwischen arbeiten weltweit 3.000 Teppichknüpfer für das Unternehmen. An einem sieben Quadratmeter großen Teppich arbeitet ein Knüpfer gut drei Monate lang und bringt dabei 300.000 Knoten pro Quadratmeter ins Gewebe. Das macht laut Kath die hohe Qualität der Ware aus. Selbstverständlich finden auch nur edle Materialien wie Wolle, Seide und Brennnessel Verwendung. Dadurch sollen die immer erst nach Kundenwunsch gefertigten Stücke auch ein Leben lang halten.
Zu den Kunden des Bochumer Designers zählen unter anderem Scheichs aus den Emiraten, Bill Clinton, Bruce Willis, Rupert Murdoch und die monegassische Fürstenfamilie. Es gibt neben dem Geschäft im Herzen des Ruhrgebiets inzwischen weitere Filialen, beispielsweise in Berlin, Hamburg, Köln, New York und Vancouver, wobei neue Standorte bereits in Planung sind.   

Weitere Informationen unter www.jan-kath.de